In vertrauter Umgebung läuft es bei den Aichacher BOL-Handballern seit Wochen wie geschmiert. Zwar zogen sie im ersten Heimspiel vor zweieinhalb Monaten gegen die dritte Garnitur des Bayernligisten TSV Friedberg noch klar den Kürzeren (22:30), doch in den folgenden drei Begegnungen gegen Niederraunau 2 (35:26), Lauingen-Wittislingen (30:23) und Günzburg 2 (29:20) behielten die Mannen von Trainer Christopher Wolf souverän die Oberhand. Am Samstagabend folgte der vierte Streich, als der TSV im Vorrundenfinale dem Aufsteiger SV Mering äußerst mühevoll mit 26:24 (11:11) das Nachsehen gab und erstmals seit dem vierten Spieltag wieder ein positives Punkteverhältnis (12:10) erreichte.

 

Bedanken durften sich die Aichacher in erster Linie bei Rechtsaußen Timo Stubner, der eine grandiose Leistung ablieferte und mit seinen 13 Toren, davon drei verwandelte Siebenmeter, zum Matchwinner seines Teams avancierte. Allein die Tatsache, dass der Linkshänder die Hälfte der Aichacher Treffer beisteuerte, beweist, wie wichtig es war, dass er diesmal keinen Dienst bei der Polizei schieben musste. Als das Derby nach rund 43 Minuten beim Stand von 18:18 hin und her wogte, erzielte der 21-Jährige die restlichen acht Tore des TSV. Eine schier unglaubliche Quote, die auch Wolf schwer beeindruckte. "Timo war heute überragend", sparte Wolf nicht mit Lob und erkannte zu Recht, "ohne ihn hätten wir nicht gewonnen." Zumal der Übungsleiter auf den verletzten Konstantin Schön sowie die beruflich verhinderten Thomas Wonnenberg und Alex Bahn verzichten musste.

Während des gesamten Spielverlaufs durchlief Wolf "ein Wechselbad der Gefühle", wie er später einräumte. "Einerseits freue ich mich, dass wir gewonnen haben, andererseits ärgere ich mich, dass wir so viele technische Fehler und Fehlwürfe produziert haben, die uns beinahe den Sieg gekostet hätten. Wir haben den gegnerischen Torwart so richtig warm geworfen. Aber bei einer so jungen Mannschaft ist das halt mal so, das muss man einfach akzeptieren."

Mering ging mit seinem ersten Angriff nur einmal in Führung, danach bogen die Gastgeber den Rückstand in einen stetigen Drei-Tore-Vorsprung (4:1, 6:3, 7:4) n um. Als Philipp Rupprecht die Gäste mit zwei Toren auf 6:7 heranbrachte, nahm Wolf die erste Auszeit. Mit Erfolg. Dank Stubners zweier Treffer zog Aichach wieder auf 11:8 davon, doch Mering ließ nicht locker, glich kurz vor der Pausensirene zum 11:11 aus.
Auch der zweite Abschnitt setzte sich so fort, wie der erste geendet hatte: mit einem offenen Schlagabtausch. Die Führung der Aichacher (13:11, 15:14, 18:17) beantwortete Mering stets postwendend. Ein packendes Spiel auf Augenhöhe, das an Dramatik in den finalen Zügen kaum mehr zu überbieten war. Als Stubner den TSV mit sechs Toren hintereinander mit 24:19 in Front brachte, schien die Partie entschieden. Schließlich waren nur noch acht Minuten zu spielen. Die Rechnung hatten die Heimischen aber ohne den stark aufspielenden Aufsteiger gemacht, der die Antwort in der restlichen Spielzeit nicht schuldig blieb. Tor um Tor kämpfte sich Mering heran. Eine Minute vor Spielende stand es durch den zweiten Treffer von Steffen Meyer nur noch 24:23, kurz danach unterbrach Wolf das Derby mit seiner zweiten Auszeit. Auch diese führte zum Erfolg. Wiederum Stubner besorgte das 25:23 und nach dem Anschluss der Gäste zum 24:25 gelang dem Jungspund Sekunden vor der Schlusssirene auch der 26:24-Endstand.
"Positiv war, dass wir Mitte der zweiten Halbzeit gut weggekommen sind, auch wenn wir es zum Schluss noch einmal unnötig spannend gemacht haben", bilanzierte Wolf. "Die Mannschaft hat genau wie in Gundelfingen Moral beweisen; mit unseren zwölf Punkten sind wir nach der Hinrunde voll im Soll."

Trotz der Niederlage stellte Merings Coach Stephan Seybold seinem Team ein gutes Zeugnis aus. "Wir sind absolut zufrieden mit der Mannschaftsleistung. Der kämpferische Einsatz war in Ordnung. Verloren haben wir nur, weil wir in der zweiten Halbzeit zehn Minuten vorübergehend den Faden verloren haben. Das war ausschlaggebend für unsere spätere Niederlage. Aber wenn wir so weitermachen und die Spieler verletzungsfrei bleiben, bin ich überzeugt, dass wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben werden", erklärte Seybold, der vor einigen Jahren für das Marketing der Friedberger Handballer zuständig war.

 

TSV Aichach: Walther; Kügle (1), Oliver Huber, Stubner (13/3 Siebenmeter), Lenz, Braun (3), Bauer (3), Lehmann, Schilberth (3), Christoph Huber (3).


SV Mering: Schwörer, Simmerl; Rupprecht (5), Lidl (5), Buck (1), Meyer (2), Seybold (2/1), Reissner (3/1), Drexler (1), Egarter (1), Reiter (2/1), Klug (2), Leuprecht, Groß.


Schiedsrichter: Buck, Wagner (beide Ichenhausen). - Zuschauer: 150. - Siebenmeter: 4/3 - 3/2. - Zeitstrafen: 4 - 7.

 

Quelle: Aichacher Zeitung