Aichach - Dank einer herausragenden zweiten Halbzeit haben die Aichacher BOL-Handballer den Rückrundenauftakt im neuen Jahr gegen den Landesliga-Absteiger TSV Göggingen so begonnen, wie sie das letzte Vorrundenspiel im Dezember gegen Mering beendeten: Mit einem 34:20-Heimsieg, der in seiner Höhe so überraschend deutlich ausfiel, dass ihn selbst TSV-Coach Christopher Wolf nicht für möglich gehalten hätte. "Nach der knappen 12:11-Führung beim Seitenwechsel habe ich nie und nimmer mit so einem Ergebnis gerechnet", war der 32-Jährige mit dem famosen Auftritt seiner Anvertrauten nach dem Wechsel hoch zufrieden.

Zu Recht. Denn nach dem knappen Vorsprung legten seine Mannen nach der Pause einen derart furiosen zweiten Abschnitt hin, dass den Gästen schier Hören und Sehen verging. 22 Tore in einer Halbzeit, dazu nur neun Gegentore zugelassen, wann hat es das zuvor schon einmal gegeben in der Historie der TSV-Handballer. Am Ende stand ein herausragender Erfolg der Rot-Weißen zu Buche, den wohl niemand unter den rund 250 Zuschauern erwartet hätte.

Die geplante Revanche für die 23:28-Niederlage bei der Saisonouvertüre im September ist den ohne Spielertrainer Florian Pfänder angetretenen Göggingern damit gründlich misslungen. "Der Florian macht heute auf Familie", nannte Gäste-Zeitnehmer Rüdiger von Petersdorff den Grund für das Fehlen des 37-Jährigen. Von Petersdorff - früher selbst in Neusäß aktiv - ist im Übrigen der Vater von Benjamin (hütet das Tor der Friedberger Bayernliga-Handballer) und Dominik, der als Rückraumschütze bei den Göggingern vier Tore beisteuerte.

Doch auch mit Pfänder wären die Chancen der Gäste auf die Revanche bei den hoch motivierten Aichachern nur gering gewesen. "In der ersten Halbzeit haben wir einige blöde Tore bekommen, aber ansonsten sind wir in der Abwehr gut gestanden", erklärte Wolf nach Spielende. Dabei hielten die Gögginger, die von Tobias Hofner und Spielmacher Andreas Schwendner betreut wurden, im ersten Drittel nicht nur ausgezeichnet mit, sondern lagen sogar ständig in Front (2:1, 4:2, 7:5, 8:7). Mit der erstmaligen Führung zum 9:8 durch Oliver Huber nach etwas mehr als 22 Minuten wendete sich das Blatt dann aber mehr und mehr zugunsten der Heimischen. Der stark aufspielende Spielmacher Felix Schilberth ("Zusammen mit dem einmal mehr überragenden Torwart Stefan Walther muss man heute den Felix besonders hervorheben"/Wolf) zeichnete schließlich mit zwei Toren in Folge für den knappen Pausenstand verantwortlich.

Begeistert zeigte sich Wolf dann von den zweiten 30 Minuten. "Da hat alles super gepasst", betonte Aichachs Coach. "Wir sind gut reingekommen, haben die Zeitstrafen der Gäste konsequent ausgenutzt und sind schnell davongezogen." Und das, obwohl mit Rechtsaußen Timo Stubner einer der treffsichersten Schützen nicht zur Verfügung stand. Mit Stubner sind die Aichacher kaum zu schlagen, vielleicht spielen sie noch um die Meisterschaft mit, wenn sie vollzählig sind, orakelten einige eingefleischte Fans.

Als Benedikt Lenz eine Viertelstunde vor Spielende den Treffer zum 25:16 anbrachte, war die Partie entschieden. Auch deshalb, weil Göggingen in der Schlussphase zwei rote Karten gegen Paul Zgudziak (53.) und Kenne Kenbon (56.) kassierte und die Chancen immer geringer wurden, den Rückstand aufzuholen. Thomas Bauer mit seinen 13. Tor (davon neun Siebenmeter) sowie wiederum Lenz trafen schließlich zum 34:20-Endstand.

"Es ist schön, wenn man über so einen breiten Kader verfügt. Das lässt wesentlich mehr Alternativen zu als in den letzten Begegnungen der Vorrunde", gab sich Wolf durchaus optimistisch für den weiteren Verlauf. Entscheidend werde jedoch sein, wie die Aichacher am kommenden Samstag beim Spitzenreiter Friedberg 3 abschneiden. Gewinnen die Aichacher, scheint alles möglich. Angetan war Wolf nicht nur von der Art und Weise des Sieges seiner Mannschaft, sondern auch vom Interesse der Zuschauer. "Den Eltern der Minis haben wir Freikarten geschenkt, deshalb waren heute auch so viele Zuschauer da. Eine tolle Kulisse", schwärmte Wolf abschließend.

TSV Aichach: Walther, Wonnenberg (n.e.); Kügle (1), Oliver Huber (3), Lenz (3), Braun, Bauer (13/9), Lehmann (1), Schilberth (5), Schön (4), Bahn (3), Christoph Huber (1).
TSV Göggingen: Fischer, Weber; Ranz (8), Katschinski, Schwendner (3/1), Greving, Kenbon (1), Müller (2/1), Kolbinger, Stegmann (1), von Petersdorff (4), Zgudziak (1).

Schiedsrichter: Wartner, Mayer (beide Leipheim).
Zuschauer: 250.
Siebenmeter: 10/9 - 4/2.
Zeitstrafen: 7 - 10.
Rote Karten: Zgudziak (53., dritte Zeitstrafe), Kenbon (56., beide Göggingen).

Von Karl Böck

Quelle: Aichacher Zeitung