Aichach - Es bleibt dabei. Aichachs BOL-Handballer können in dieser Saison gegen die dritte Garnitur des TSV Friedberg nicht gewinnen. Nachdem die Mannen von Trainer Christopher Wolf bereits in der Vorrunde das Nachsehen gehabt hatten (22:30), zogen sie auch beim Retourmatch in der Herzogstadt mit 28:31 (15:18) den Kürzeren und scheiterten damit mit ihrem Vorhaben, mit einem Erfolg beim Tabellenführer näher an die Spitze heranzurücken. Und das, obwohl Konstantin Schön eine überragende Partie ablieferte. Zehn Tore gingen auf das Konto des Rückraumschützen, doch selbst diese hohe Trefferquote des 21-Jährigen reichte nicht aus, um die Pleite seiner Mannschaft zu verhindern.

 

 

"Natürlich bin ich enttäuscht, denn heute war wesentlich mehr drin. Wir hätten etwas holen können", erklärte Wolf in seiner Analyse nach Spielende. Gerade zu dem Zeitpunkt, als die Aichacher den 15:18-Pausenrückstand binnen sechs Minuten nach dem Wechsel in einen 20:18-Vorsprung umbogen, dachten viele der mitgereisten Fans an die Wende. "Das war unsere beste Phase", war nicht nur Wolf begeistert. "Doch anstatt danach so weiterzumachen, waren wir anschließend wieder viel zu grün, haben uns in zu vielen Einzelaktionen verzettelt und unsere Angriffe nicht sauber und konsequent zu Ende gespielt. Wenn man aber so ein Spitzenspiel gewinnen will, darf man halt gegen so eine ausgebuffte Mannschaft wie Friedberg keine Sekunde nachlassen. Leider haben wir das getan und deshalb verloren."

Anfangs verlief die Partie relativ ausgeglichen (2:2, 4:4, 6:6, 8:8), doch mit zunehmender Dauer gewannen die routinierten Gastgeber mehr und mehr die Oberhand. Patrick Schupp (2), der bullige Kreisläufer Uwe Egidy sowie Jonathan Dorsch warfen die Gastgeber mit 12:8 in Front. Alex Bahn (zum 14:16) und Thomas Bauer (zum 15:17) verkürzten zwar nochmals, doch eine Sekunde vor der Pausensirene verwandelte Egidy einen Freiwurf direkt an der verdutzten Gästeabwehr vorbei zum 18:15. Ein völlig unnötiger Treffer zum ungünstigsten Zeitpunkt.
"15 Treffer beim Spitzenreiter haben gepasst, aber 18 Gegentore in einer Halbzeit sind viel zu viel", räumte Wolf ein. Grund für die vielen Gegentore sei zum einen gewesen, "dass wir in der Abwehr zu wenig zusammengeschoben haben" und zum anderen, "dass wir in den Eins-zu-Eins-Situationen vor allem gegen Johannes Luderschmid meistens das Nachsehen hatten". Der Ex-Drittligaspieler steuerte insgesamt sieben Tore bei und warf sie immer dann, wenn es eng zu werden drohte für sein Team.

Wer gedacht hatte, Aichach würde mit der überraschenden 20:18-Führung im Rücken nachlegen und alles versuchen, die Vorentscheidung gegen konditionsschwache Friedberger herbeizuführen, wurde alsbald eines Besseren belehrt. Innerhalb weniger Minuten drehten die Weiß-Schwarzen das Derby wieder zu ihren Gunsten um und lagen neun Zeigerumdrehungen vor Schluss mit 28:24 in Front. "Im Gefühl des scheinbar sicheren Vorsprungs haben wir nach der Pause plötzlich aufgehört zu spielen", betrieb Friedbergs dreifacher Torschütze Benjamin Schwair Ursachenforschung für das vorübergehende Nachlassen seines Teams. "Aber Aichach ist auch eine typische Kampfmannschaft, die nie aufgibt, nie aufhört zu rennen", betonte der Spielmacher, der in drei Monaten 34 Jahre alt wird.
Die Auszeit, die Wolf sofort nahm, zeitigte Erfolg. Felix Schilberth und Schön mit drei Treffern hintereinander brachten die Gäste nochmals auf 28:29 heran. Jetzt schien in den verbleibenden drei Minuten wieder alles möglich, zumal Friedbergs anschließender Versuch nichts einbrachte. Doch anstatt den folgenden Angriff "ruhig und sauber zu Ende zu spielen", wie Wolf von der Trainerbank aus lautstark forderte, misslang das Anspiel am Kreis gründlich. Die Konsequenz war bitter: Björn Heekeren traf zum 30:28 und Marco Wuttke legte zum 31:28-Endstand nach.
Ob der Erfolg für den Spitzenreiter sich im Nachhinein nicht doch als Pyrrhussieg herausstellt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. "Wenn unsere zweite Mannschaft als derzeitiger Vorletzter der Landesliga absteigt, nützt uns die mögliche Meisterschaft in der BOL gar nichts", sagte Schwair. "Dann müssen automatisch nicht nur die Dritte, sondern auch die Vierte den Gang jeweils eine Klasse nach unten antreten." In diesem Fall wäre eben der Zweite aufstiegsberechtigt. "Friedberg hat es in den letzten Jahren versäumt, für entsprechende Nachwuchsarbeit zu sorgen. Man hat nur auf die Erste geschaut und die anderen Mannschaften vernachlässigt. Das Ergebnis sieht man. Ob wir ältere Spieler nächste Saison weitermachen, wissen wir noch nicht. Seit geraumer Zeit trainieren wir unter der Woche ja nicht mehr und deshalb sind wir auch nicht mehr in der Lage, gegen unsere Konkurrenten in konditioneller Hinsicht mitzuhalten. Aber wir sind trotzdem immer noch mit großem Eifer dabei", zog Schwair kritisch Bilanz.

 

TSV Friedberg 3: Felix Dorsch, Weyhmann; Schupp (7/4), Jonathan Dorsch (1), Heekeren (4), Martin Luderschmid, Wuttke (5/2), Schwair (3), Johannes Luderschmid (7), Scheiber, Winkler, Egidy (4).

TSV Aichach: Wonnenberg, Walther (n. e.); Kügle (1), Oliver Huber (2), Lenz, Stubner (4/1), Braun (1), Bauer (6/4), Schön (10), Bahn (1), Lehmann, Schilberth (2), Christoph Huber (1).

Schiedsrichter: Scholz, Hartmann (beide Niederraunau). - Zuschauer: 120. - Siebenmeter: 8/6 - 6/5. - Zeitstrafen: 1 - 3.

 

Quelle: Aichacher Zeitung