Aichach - Spiele gewinnt man im Angriff, Titel in der Abwehr - wie man spätestens seit dem Handball-EM-Finale vor zwei Wochen weiß. Deshalb geht auch der TSV Schwabmünchen als heißer Meisterschaftsanwärter in das letzte Saisonviertel der Bezirksoberliga. Mit einer eindrucksvollen Abwehrarbeit nahmen die Singoldstädter am Samstagabend die Hürde beim TSV Aichach, fügten der Mannschaft von Trainer Christopher Wolf beim 22:26 (7:10) die zweite Heimniederlage dieser Saison zu.

 

 

Von Wolf kam erst unlängst der Ausspruch, dass der, der Meister werden will, in Aichach gewinnen muss. Mit Haunstetten 2 und Gundelfingen müssen noch zwei weitere Titelkandidaten zu den heimstarken Rot-Weißen. Als Erster aus diesem Trio haben die Schwabmünchener die Aufgabe in der Gymnasiumhalle am Samstagabend bravourös gemeistert. "Sie haben verdient gewonnen", erkennt Wolf den Gästesieg an. Deshalb war der Aichacher Trainer hinterher mit der Leistung seiner Mannschaft gar nicht einmal unzufrieden. Wolfs Schwabmünchener Kollege Holger Hübenthal attestierte den Aichachern auch ein "gutes BOL-Niveau, sie sind aber an unserer Abwehr zerschellt". Oder scheiterten an Torhüter Encho Enchev. Der 28-Jährige, einst die Nummer drei im bulgarischen Nationalteam, machte gute Aichacher Chancen zunichte, parierte unter anderem drei Strafwürfe von Thomas Bauer, Felix Schilberth und Konstantin Schön.

"Die Siebenmeter hätten vielleicht schon zum Unentschieden gereicht", so Wolf. Insgesamt sah der 32-Jährige jedoch eine zu hohe Fehlerquote seines Teams im Angriff. Auch das Einlaufen der Außenspieler, gegen einen so offensiven Abwehrverbund wie den der Schwabmünchner ein probates Mittel, wurde zu wenig angewandt. Dass dies aber durchaus eine Lösung gewesen wäre, zeigten die Treffer von Linksaußen Michael Kügle und dem rechten Flügelspieler Nico Lehmann.
Dabei waren die Aichacher in den ersten 20 Minuten mehr als nur auf Augenhöhe mit dem Tabellenzweiten. Und weil auch die Gastgeber samt Torhüter Jonny Wonnenberg sehr gut in der Deckung arbeiteten, war es zunächst ein recht torarmes Treffen. Nach 21 Minuten fielen gerade einmal elf Treffer, als Kügle die Aichacher letztmals in dieser Partie zum 6:5 in Führung warf. Vor allem in der Phase bis zur Pause bemängelte Wolf, dass die Spielhandlungen "nicht sauber" zu Ende gespielt worden seien, so dass man keinen Druck mehr auf die Schwabmünchner Deckung ausüben konnte. Zu sehr verzettelten sich die Aichacher, überwiegend Schön, in Einzelaktionen, mit denen es kein Durchkommen gab. Gerade einmal einen Treffer brachten die Gastgeber bis zur Pause noch zustande. Schwabmünchen hatte die Partie inzwischen gedreht, weil vor allem die linke Achse mit den überragenden Peter Bürgle und Leo Scholz sowie Außenspieler Manuel Reinsch die Aichacher vor einige Probleme stellte. Neun der zehn Schwabmünchner Tore in Durchgang eins ging auch auf deren Konto.
Denkbar schlecht kamen die Aichacher nach der Pause in die Gänge. "Das war dann auch entscheidend", so Wolf. Stefan Walther, der zur zweiten Halbzeit Wonnenberg ablöste, erwischte keinen Ball. Nach einem 2:5-Lauf (9:15/39.) nahm Wolf schon alsbald eine Auszeit. Zunächst ohne Erfolg. Aber für die jungen Aichacher sprach, dass ihre Einstellung stimmte, sie vor allem in der Abwehr "wahnsinnig" arbeiteten. Und plötzlich keimte beim TSV wieder Hoffnung auf, die zweite Heimniederlage doch noch abzuwenden, als Schön einen Siebenmeter zum 16:18 verwandelte (49.). Zeit genug wäre noch gewesen, aber dennoch hatte man nie den Eindruck, dass Schwabmünchen die Partie noch aus der Hand geben würde. In dieser Phase beorderte Hübenthal Bürgle wieder aufs Parkett - und innerhalb kurzer Zeit vergrößerten der linke Rückraumwerfer - für Wolf neben Friedbergs Johannes Luderschmid der besten Spieler der Liga - mit zwei Treffern und Scholz den Vorsprung wieder auf fünf Tore (16:21/53.). Die Partie war somit gelaufen.


TSV Aichach: Wonnenberg, Walther (31. bis 39.); Kügle (1), Huber (3), Lenz, Braun (1), Bauer (3/3), Schön (6/2), Bahn (3), Lehmann (1), Schilberth (4).

TSV Schwabmünchen: Enchev, Hübenthal (n.e.); Zanker (1), Gleich (2), Reinsch (4), Thumm, Bürgle (7), Schlech, Weigelt, Barth, Kreuth (4), Weichel (1), Scholz (7/2), Reichenberger.

Schiedsrichter: Erhart/Geier (beide Unterhaching).
Zuschauer: 150.
Zeitstrafen: 2 - 3.
Siebenmeter: 8/5 - 2/2.

Quelle: Aichacher Zeitung