Aichach - So eine Abfuhr wie jene am Samstag mit dem 19:26 gegen den TSV Haunstetten 2 haben die Aichacher Handballer in der Bezirksoberliga schon lange nicht mehr hinnehmen müssen. Jedenfalls nicht in vertrauter Umgebung, wo sie in dieser Saison nur gegen Friedberg 3 (22:30) und zuletzt vor zwei Wochen gegen Schwabmünchen (22:26) das Nachsehen hatten. Diesmal waren sie gegen die mit Spitzenreiter Schwabmünchen (34:23-Sieg in Lauingen-Wittislingen) weiterhin punkgleiche Reserve des Bayernligisten (je 30:8) bereits zur Pause (7:14) derart ins Hintertreffen geraten, "dass wir nach dem Seitenwechsel nur noch versuchen konnten, die Niederlage in Grenzen zu halten", lautete das ernüchternde Fazit von Aichachs Coach Christopher Wolf kurz nach Spielende.

 

Grund für den schwachen Heimauftritt seiner Mannen sei es gewesen, "dass heute kein Einziger sein normal es Niveau erreicht hat", meinte Wolf. "Wir haben keine Topleistung abgeliefert, deshalb waren wir chancenlos." Dabei klang der 32-Jährige kurz vor Spielbeginn durchaus optimistisch hinsichtlich des Ausgangs der Partie. "Schauen wir einmal, wie es ausgeht. Aber zu Hause sind wir bekanntlich eine Macht und das wollen wir auch heute unter Beweis stellen", erklärte er.

Spätestens nach 20 Minuten war aber nicht nur ihm klar, dass die routinierten Haunstettener, die ohne die im Hinspiel so treffsichern Schützen Andreas Kapfer (7 Tore), Fabian Fischer (3) und Florian Zimmerly (3) auskommen mussten, sich als eine Nummer zu groß erweisen würden. "Wir waren viel zu undiszipliniert, hätten viel sauberer spielen müssen", erklärte Wolf. Bei vielen Gegentoren in der ersten Halbzeit hätten die Seinen zudem "richtiggehend geschlafen". Zu diesem Zeitpunkt war die Mannschaft aus dem Augsburger Süden, die diesmal vom ehemaligen Friedberger Bayernligaspieler Stefan Ebert ("Stefan Jordan hat mich gebeten, kurzfristig das Coaching zu übernehmen, weil er selbst mitgespielt hat") betreut wurde, nach einem 3:3-Zwischenstand auf 9:4 davongezogen, um den sicheren Vorsprung bis zur Halbzeit kontinuierlich auf 14:7 auszubauen. "Die Gästeabwehr war schon gut, die waren heute wirklich ganz schwer zu spielen", zollte Wolf dem Gegner Lob ob dessen kompakt auftretender Defensive, die kaum etwas zuließ.

Das Derby war unter den Augen von Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann ("Den Sieg der Haunstettener muss man neidlos anerkennen") also frühzeitig entschieden. Hallensprecher Roland Fackler versuchte zwar noch, das Unmögliche aus den Spielern herauszukitzeln ("Da gibt es noch etwas zu tun, vielleicht kann man sich noch heranarbeiten"), aber da war wohl der Wunsch der Vater des Gedankens. Es ging einfach nichts zusammen an diesem Abend. Haunstetten wirkte viel abgeklärter, viel reifer, ließ Aichach nie näher als bis auf fünf Tore (9:14, 13:18) heran. Als Nico Mühlbacher den Vorsprung der Gäste sieben Minuten vor der Schlusssirene auf zehn Treffer ausbaute (25:15), schienen die Heimischen einem Debakel nie gesehenen Ausmaßes entgegenzusteuern. Glück für Aichach, dass Haunstetten ("Wir waren von Anfang an sehr abgeklärt unterwegs und mit dem Pausenvorsprung im Rücken war die Begegnung gelaufen"/Ebert) die Auseinandersetzung in den finalen Zügen etwas schleifen ließ und die Gastgeber durch Oliver Huber, Michael Kügle, Thomas Bauer und Felix Schilberth noch etwas Ergebniskosmetik betreiben konnten.

Sicherlich ein schöneres Debut im Trikot der Ersten hätte sich Manuel Euba gewünscht. Zur Überraschung vieler Wolf setzte Wolf den 17-jährigen Novizen, Neffe des Urgesteins Schorsch Euba, von Beginn an für Timo Stubner auf Rechtsaußen ein. Stubner, 21, kam erst dann zum Zug, als das Spiel längst gelaufen war. Ob Wolf seiner Mannschaft damit einen Gefallen getan hat? Nicht wirklich. Euba zeigte zwar gute Ansätze, aber die "Tormaschine" Stubner konnte der Jungspund (noch) nicht ersetzen.
Entschieden wird die Meisterschaft, so wie es aussieht, am 13. März im Duell zwischen Haunstetten und Schwabmünchen. Beide haben ein an und für sich leichtes Restprogramm (Haunstetten zu Hause gegen Lauingen-Wittislingen und zuletzt bei Günzburg 2, Schwabmünchen gegen Friedberg 3 und abschließend in Ichenhausen), so dass der Gipfel in zwei Wochen die Entscheidung bringen wird, wer in die Landesliga aufsteigt.

TSV Aichach: Walther, Wonnenberg; Kügle (2), Oliver Huber (1), Lenz (1), Stubner (1), Braun (2), Bauer (5/2), Lehmann, Schilberth (2), Schön (5), Christoph Huber, Euba.

TSV Haunstetten 2: Metzger, Bernhard Kapfer (n. e.); Brodschelm (2), de Carlo, Manz, Herbeck (2/1), Mühlbacher (5), Gaedt (1), Link (4), Zahner (6), Bause (5), Hütten, Hanken, Jordan (1).

Schiedsrichter: Kaiser/Lutz (Schleißheim/Erdweg). - Zuschauer: 150. - Siebenmeter: 2/2 - 1/1. - Zeitstrafen: 3 - 4. - Rote Karte: Gaedt (57., 3. Zeitstrafe).

 

Quelle: Aichacher Zeitung